Archive for Februar, 2011

Mathematikerin Sonja Kowalewskaja (1850–91)

Freitag, Februar 25th, 2011

Sonja Kowalewski wurde als jüngste Tochter eines zaristischen Generals in Moskau geboren. Die Wände ihres Kinderzimmers waren mit den Seiten eines umfangreichen mathematischen Wälzers über Differenzialrechnung tapeziert. War das die Initialzündung für ihre Beschäftigung mit der Mathematik? Sie verbrachte auf jeden Fall viele Stunden damit, die Formeln und Zeichnungen an den Wänden des Kinderzimmers zu „studieren“.
Im Russland des 19. Jahrhunderts war es für Frauen unmöglich zu studieren. Sie hatten keinen Zugang zur Universität. Auch in Deutschland blieben in dieser Zeit die meisten Universitäten den Frauen verschlossen. So wurde z.B. erst 1908 die Zulassung in Preußen per Gesetz geregelt, allerdings mit dem Recht des Erziehungsministers, Frauen den Zutritt zu bestimmten Vorlesungen verbieten zu können. Ursache für diese Einschränkungen war, dass Frauen insbesondere in den Naturwissenschaften und der Mathematik als weniger bildungsfähig galten als Männer.
Sonja heiratete 18-jährig den Studenten Wladimir Kowalewski, mit dem sie nach Heidelberg ging, um zu studieren.
Schon nach einem Jahr konnten ihre Heidelberger Professoren Sonja nichts mehr beibringen und empfahlen ihr, nach Berlin zu gehen, um dort bei Professor Weierstraß, dem „berühmtesten Mathematiklehrer Europas“ weiterzustudieren. Weierstraß war ein entschiedener Gegner der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium. Als er jedoch Sonjas Begabungen in der Mathematik erkannte, erklärte er sich bereit, sie zu unterrichten und zu fördern.
Mit ihrer Arbeit über partielle Differentialgleichungen promovierte Sonja 1874 an der philosophischen Fakultät von Göttingen „summa cum laude“.
Nach dem Selbstmord ihres Mannes half ihr die Beschäftigung mit der Mathematik über den Verlust hinweg. Sie siedelte 1883 nach Stockholm um als Dozentin und Professorin. In Berlin war sie noch nicht einmal als Zuhörerin in Vorlesungen zugelassen.
Weihnachten 1888 erhielt Sonja in den Prix Borodin der Pariser Akademie der Wissenschaften, die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die bis zu diesem Zeitpunkt einer Frau verliehen wurde.
Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit war Sonja auch immer schriftstellerisch tätig. Sie schrieb Bücher, Zeitungsartikel und Gedichte. Am 10. Februar 1891, erst 41 Jahre alt, starb Sonja an den Folgen einer schweren Erkältung. In ihrem Nachlass fand sich eine Vielzahl begonnener mathematischer Studien.

Sonja Kowalewski
Mathematiker in Berlin vom 17. – 20. Jahrhundert
Gibt es wirklich nur so wenige Mathematikerinnen in Berlin?
fragt Wissen-to-go.

Alice Salomon (1872-1948) von Berlin-Woman

Mittwoch, Februar 23rd, 2011

Ich freue mich, als Gastbloggerin im „Wissen-to-go“-Blog von Sabine Operderbeck mitzuwirken. Die Woche der Wissenschaftlerinnen hat mich dazu motiviert, meinen Artikel über die Berlin-Woman: Alice Salomon auszubauen und ihn hier zur Verfügung zu stellen. 

Alice Salomon (1872-1948) war eine Frauenrechtlerin, die sich für die soziale Arbeit engagierte. Mit 21 Jahren trat sie dem Verband der „Mädchen und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit bei“ und übernahm die Leitung sechs Jahre später.
Ab 1900 begann ihre Karriere als Sozialreformerin. So wurde sie stellvertretende Vorsitzende im “Bund deutscher Frauenvereine”, wo sie sich vor allem für allein erziehende Mütter einsetzte. Es folgte ihr Studium in Geschichte, Nationalökonomie und Philosophie an der Universität in Berlin, eine Pionierleistung, da Frauen bis 1908 regulär nicht zugelassen wurden.
Alice Salomon promovierte 1906 über die Lohnungleichheit von Männern und Frauen. Danach rief die Wissenschaftlerin die Soziale Frauenschule in Berlin-Schöneberg (heutige Alice Salomon-Schule), die deutsche Akademie für soziale und pädagogischen Frauenarbeit mit der Erweiterung des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschungen und die Internationale Vereinigung der Schulen für Sozialarbeit ins Leben. In diesem Rahmen initiierte sie Ende der 1920er Jahre ein umfangreiches Forschungsprogramm zum “Verfall der Familie”. 1932 erhielt sie die Silberne Staatsmedaille und die Ehrendoktorwürde.
Unter den Nationalsozialisten musste die gebürtige Jüdin emigrieren. Sie ging in die USA, wo sie ihre Arbeit begrenzt, aber unermüdlich fortsetzte. „Ihr wisst, dass ich immer unerschütterlich an den Sieg des Guten in der menschlichen Natur geglaubt und dafür gelebt habe. Ich werde das alles auch so weiter halten nach dem Gesetz, nach dem ich angetreten“, schrieb sie zum Abschied von ihren deutschen Freunden und Kollegen.
Die Berliner Alice Salomon-Hochschule vergibt alljährlich einen gleichnamigen Preis, der interdisziplinär angelegt ist. Er ging bereits an Rebecca Horn und Valeri Scherstjanoi und ist dieses Mal dem Schriftsteller Eugen Gomringer gewidmet.
Alice Salomon Poetik-Preis  
Alice Salomon auf Berlin-Woman

geschrieben von Berlin-Woman

Woche der Berliner Wissenschaftlerinnen …

Montag, Februar 21st, 2011

In dieser Woche wird Wissen-to-go Wissenschaftlerinnen aus Berlin vorstellen. Den Anfang macht heute die Präsidentin des WZB (Wissenschaftszentrum Berlin) Frau Professor Jutta Allmendinger.
Wissen-to-go konnte sie in der letzten Woche ja bereits live in der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Diskussion mit Bascha Mika erleben.
Jutta Allmendinger ist seit 2007 Präsidentin des WZB und ebenfalls seit 2007 Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin. Davor stand sie vier Jahre als Direktorin dem Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg vor.
Sie ist wirklich eine von wenigen Frauen in herausgehobener Führungsposition in der Wissenschaft. Aktuell hat sie eine Studie zu nicht erwerbstätigen Frauen in Deutschland bei Campus veröffentlicht. Zu ihren Arbeitsgebieten in der Sozialforschung gehören: die Bildungssoziologie, soziale Ungleichheit, Sozialpolitik, Organisationssoziologie und Soziologie des Lebenslaufes.
Sie stammt gebürtig aus Mannheim, wo sie auch Soziologie und Sozialpsychologie studierte. Nach Aufenthalten in den USA habilitierte sie 1993 an der Freien Universität zu Berlin. Heute ist sie Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Kuratorien und Beiräten im In- und Ausland und u. a. Mitherausgeberin der Zeitschrift „Forschung. Politik – Strategie – Management“ (seit 2009).

Interviews in der Zeit 2009 und 2008
Frau Prof. Jutta Almendinger

WZB 
 
 
Wie  Wissen-to-go  gerade erfahren hat, wird der diesjährige Berliner Frauenpreis vom Senator Harald Wolf am 07. März 2011 an die Professorin Jutta Allmendinger verliehen.
Wissen-to-go  gratuliert!!!

Am Mittwoch und Freitag können Sie hier weitere Wissenschaftlerinnenportraits lesen!

Wissen-to-go beim Businessplanwettbewerb …

Freitag, Februar 18th, 2011

Am Donnerstagabend war es soweit, in Potsdam im Hans-Otto-Theater wurden die ersten Gewinner des Businessplanwettbewerbs Berlin-Brandenburg ausgezeichnet. Es wurden jeweils die ersten fünf Platzierten in den Kategorien BPW technology und BPW service ausgezeichnet.
Klaus-Dieter Licht, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank des Landes Brandenburg, begrüßte das Publikum im Hans Otto Theater in Potsdam, dass einen wunderbaren Rahmen für diese Feierlichkeiten bietet. Die Siegerteams wurden bereits im Vorfeld über ihre TOP 5 – Platzierung informiert. Jedoch waren sie ahnungslos, welche Platzierung sie erreicht hatten.
In der Kategorie BPW service konnte sich Modbird als Gewinner feiern lassen. Aber auch die anderen Teams Personology UG, improdating, Verena Mosen – Trainerin für Zivile Konfliktbearbeitung und Transkulturelles Lernen und vismath GmbH auf den Plätzen 2, 3, 4 und 5 hatten jeden Anlass zum Jubeln.
Bei BPW technology wurde das Team Symplektikon mit dem 1. Platz geehrt. Die folgenden Plätze gingen an VIRTENIO GmbH, Laubwerk GmbH, TRIFENSE GmbH und SpreeLabs.
Nachdem alle Sieger durch die verschiedensten Vertreter aus Politik und Wirtschaft ihre Urkunden überreicht bekommen haben, wurde das Buffet durch Klaus-Dieter Lichter öffnet und alle Teilnehmenden, die anwesenden Juroren und Organisatoren des BPW hatten dann die Möglichkeit zum regen Austausch und Netzwerken.
Insgesamt hatten von den über 1500 Teilnehmenden am Businessplanwettbewerb 2011 insgesamt  568 einen Businessplan in der ersten Stufe eingereicht, davon fielen 263 in den Bereich BPW service und 92 reichten im Bereich BPW technology ein Konzept ein. Die restlichen 213 Konzepte stammten aus dem Bereich BPW study, also von Studenten. 
Weitere Informationen zum BPW Berlin Brandenburg 
Steckbriefe zu den Gewinnern

Wissen-to-go in der FES …

Mittwoch, Februar 16th, 2011

… zur Auftaktveranstaltung zum 100jährigen internationalen Frauentag.
Heute Abend diskutierten anlässlich des 100. internationalen Frauentages am 8. März 2011 Bascha MIKA und Jutta ALLMENDINGER zum Thema „Hart erkämpft, leichtfertig verspielt?“ u. a. zur Einführung der Quote und der Rolle der Frau in der heutigen Gesellschaft.
Zu dieser Veranstaltung hatten sich ca. 800 Interessierte angemeldet, so dass die Friedrich-Ebert-Stiftung den großen offenen Saal in der Hiroshimastr. 17 in Berlin-Tiergarten und einen zweiten Raum mit Bildschirmübertragung in Haus 2 der FES zur Verfügung stellte.
In ihrem neuen Buch „Die Feigheit der Frauen“ geht die ehemalige taz-Chefredakteurin und Publizistin hart mit den Frauen ins Gericht. Sie diskutierte ihre kontroversen Thesen mit der WZB-Präsidentin Jutta Allmendinger, eine der wenigen Frauen in wissenschaftlicher Führungsposition. Diese liefert bemerkenswerte Zahlen und politische Diagnosen zur Verteilung von Arbeit und Einkommen in ihren Veröffentlichungen unter den Titeln „Frauen auf dem Sprung“ und „Verschenkte Potenziale“. Sie sucht in ihren wissenschaftlichen Untersuchungen Antworten auf die folgenden Fragen: Wie sehen die Lebensläufe von Frauen in Deutschland aus? Von welchen Familienmodellen geht die Familien- und Arbeitsmarktpolitik aus, welche Hindernisse türmen sich vor Berufsrückkehrerinnen auf und wie können sie beseitigt werden? 
Hier finden Sie mehr Informationen zu diesen beiden Frauen aus Wissenschaft und Journalismus:
Bascha Mika und ihr Buch „Die Feigheit der Frauen“ 
taz-Interview mit B.Mika 
Jutta Almendinger und ihre Veröffentlichungen „Frauen auf dem Sprung“ + „Verschenkte Potenziale“

Demnächst mehr zum Wissenschaftszentrum Berlin und seiner Präsidentin!